Schuhe, die in Europa über die Ladentheke wandern, haben nicht selten schon eine weite Reise hinter sich. Viele Hersteller versuchen nämlich, ihren Gewinn zu maximieren. Da die Herstellung von Schuhen in weiten Teilen in Handarbeit geschieht, wird in erster Linie bei den Arbeitern gespart. Um die Löhne möglichst niedrig zu halten, produzieren viele Hersteller deshalb in Ländern der Dritten Welt. Da es in solchen Ländern mit dem Umweltschutz ebenfalls nicht weit her ist, tragen dort produzierte Schuhe auch zur Umweltverschmutzung bei. Aber es geht natürlich auch anders, denn es gibt durchaus Hersteller, die Wert auf gute Arbeitsbedingungen und nachhaltiges Wirtschaften legen. Wer sich zum Beispiel Herrenschuhe von Ara kauft, kann dies mit ruhigem Gewissen tun.
Kinderarbeit bei der Schuhproduktion
Kinderarbeit ist immer wieder ein Thema, wenn es um die Produktion von Schuhen geht. Auch die großen Hersteller von Sportschuhen waren davon betroffen. Waren – denn mittlerweile haben sie davon Abstand genommen. Allerdings nicht etwa, weil sie sich Sorgen um die Kinder machten, die für sie Schuhe nähen mussten, sondern weil sie negative Auswirkungen auf ihr Image – und damit auch auf die Umsätze – befürchteten. Kinderarbeit ist aber immer noch weit verbreitet. Wer Billigschuhe kauft, muss damit rechnen, dass Kinder bei deren Herstellung beteiligt waren. Dass Kinder für einen Hungerlohn arbeiten müssen, ist übrigens kein allzu fernes Problem. Wie das Fernsehmagazin Planet Wissen auf seiner Internetseite www.planet-wissen.de schreibt, ist Kinderarbeit vor allem in Portugal noch sehr häufig anzutreffen. Dort werden unter anderem auch Schuhe produziert. Etwa 30 Cent bekommt ein Kind pro fertiges Paar Schuhe.
Niedrigstlöhne, lange Arbeitszeiten und hohe Gewinne
Viele Hersteller produzieren bewusst in Ländern, in denen es keine Gewerkschaften gibt. Die Arbeitnehmer sind ihrem Arbeitgeber also mehr oder weniger auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Auch vom Staat ist keine Hilfe zu erwarten. Einige Schuhproduzenten zahlen Löhne, die so niedrig sind, dass es nicht einmal in diesen Ländern möglich ist, damit den Lebensunterhalt zu bestreiten. Zu den niedrigen Löhnen kommen extrem lange Arbeitszeiten von zwölf Stunden und mehr. In vielen Schuhfabriken in Asien sind zudem die Arbeitsbedingungen sehr schlecht. So berichtete der Spiegel auf www.spiegel.de von einer Schuhfabrik in Kambodscha, in der die dort beschäftigten Arbeiter unter Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen leiden. Der Grund hierfür sind Lösemitteldämpfe, denen die Beschäftigten ausgesetzt sind, da sie keine Schutzmasken erhalten. Schutzmasken kosten sicher nicht die Welt, sie sind eigentlich ein Cent-Artikel, und trotzdem wird sogar daran gespart. Für die Unternehmen geht der Gewinn vor, „positiver“ Nebeneffekt sind einigermaßen günstige Preise für den Endverbraucher.
Oftmals vernachlässigt: der Umweltschutz
Firmen, die ihre Schuhe in Fabriken produzieren lassen, die die Arbeitnehmerrechte mit Füßen treten, legen logischerweise auch keinen Wert auf Umweltschutz. Deshalb gelangen giftige Abwässer in Flüsse und Seen. Dadurch wird das Grundwasser, und damit das Trinkwasser vieler Menschen, belastet. Im Laufe der Zeit wirkt sich diese Tatsache natürlich auf die Gesundheit der ansässigen Bevölkerung aus. Aber nicht nur in den Schuhfabriken direkt ist die Umweltproblematik hoch. Besonders in Indien sind die vielen Gerbereien, die das Leder für die Schuhproduktion liefern, ein großer Faktor in Sachen Umweltverschmutzung. Täglich gelangen in dieser Region dreißig Millionen Liter extrem giftiger Abwässer in die Umwelt. Unnötig zu erwähnen, dass die Arbeitsbedingungen der in diesen Gerbereien beschäftigten Personen unerträglich sind. Die Arbeiter müssen zum Beispiel ohne jegliche Schutzausrüstung auskommen. Handschuhe und Gummistiefel gibt es nicht, direkter Hautkontakt mit der Gerbbrühe ist normal. Fast jeder dieser Arbeiter leidet unter Hautkrankheiten, Durchfall und Asthma. Gegerbt wird in asiatischen Ländern im Übrigen mit Mitteln, die in der EU verboten sind. Sie gelten als krebserzeugend und können Allergien hervorrufen. Verbraucher sollten sich dessen bewusst sein, denn Rückstände der Gifte befinden sich auch in den fertigen Schuhen. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat kürzlich Markenartikel, darunter auch Schuhe, auf Rückstände von schädlichen Chemikalien untersuchen lassen, wie der Tagesspiegel auf seiner Internetpräsenz www.tagesspiegel.de berichtete. Die entdeckten Chemikalien sind zwar für den Träger der Schuhe nicht direkt schädlich, können aber auf lange Sicht in die Umwelt gelangen und dort durchaus Schäden hervorrufen.
