Menschenrechte funktionieren nur mit Solidarität und Demokratie
Über Menschenrechte denken in den westlichen und zivilisierten Ländern die wenigsten Menschen nach; für sie sind diese Grundrechte der Menschlichkeit einfach Selbstverständlichkeiten, die sie Tag für Tag hinnehmen. Dass aber genau diese Wahrung der Menschenrechte sehr schwierig werden kann, beweist sich an anderer Stelle auf dieser Erde täglich, zu jeder Stunde und Minute des Lebens. Hier in Deutschland ist es ganz normal, dass geheiratet wird, sich die Paar aber auch wieder scheiden lassen. Kinder kommen zur Welt, ob nun in einer Ehe oder als Unfall. Das Leben als Alleinerziehender ohne Trauring wird von der Gesellschaft mittlerweile toleriert, auch wenn es nicht ganz ohne Schwierigkeiten geht. Wie selbstverständlich gehen die Kinder zur Schule, besuchen vorher einen Kindergarten. Sie bekommen weitestgehend Schulbücher von staatlicher Stelle zur Verfügung gestellt, müssen für das Familieneinkommen absolut nichts leisten – im Gegenteil: Deutsche Eltern bekommen Kindergeld für die Tatsache, dass sie Eltern sind.
Eine Ausbildung anzufangen und danach einen Beruf zu ergreifen, mit dem man sich seinen Lebensunterhalt verdienen kann: Auch das ist – bei entsprechenden eigenen Bemühungen, aber auch unterstützt durch Fördermaßnahmen seitens des Staates – zumindest möglich, wenngleich auch viele die Schule und das Arbeitsleben nicht allzu ernst zu nehmen scheinen. Diejenigen, die es, aus welchen Gründen auch immer, nicht schaffen, einer Arbeit nachzugehen, werden durch den Sozialstaat aufgefangen; hier gibt es Krankenversicherung und Grundversorgung für jeden, gleich, wie er aussieht, wo er herkommt oder welche Talente er hat oder nicht. Ein Luxusleben mit Nobelkarosse und eigenem Jacuzzi ist wahrlich so nicht möglich – dies kann der einzelne genießen, wenn er hart dafür arbeitet, sich diesen Luxus leisten zu können.
Andere Länder, völlig andere Sitten
In anderen Ländern sieht das ganz anders aus: Hier werden zahlreiche Kinder geboren – ist es ein Mädchen, bedeutet dies eine finanzielle Last für die Familie. Nicht selten werden weibliche Babys nach der Geburt ausgesetzt. Wo dies nicht der Fall ist, muss mit einer Zwangsheirat gerechnet werden, sobald auch nur annähernd ein Erreichen des Frauseins im Raume steht. In weiten Teilen der Welt gibt es keine allgemeine Schulpflicht – eher das Gegenteil: Kinder gehören nach der Ansicht mancher armer Menschen nicht in die Schule, sondern in Lohn und Brot, wodurch die Familie unterstützt werden kann. Schon Jugendliche müssen Bauteile für einen PC zusammenstellen, verdienen dabei aber einen Bruchteil des Kindergeldsatzes in Deutschland – um einen Vergleich zu nennen.
Hier spielt natürlich die Hilfe der zivilisierten Welt eine große Rolle: Wo kaum jemand im Lande Fähigkeiten durch Schul- und Berufsausbildung erlangt, wird es sich nur schwer realisieren lassen, Facharbeiter einen wirtschaftlichen Aufbau im Lande erzielen zu lassen, der den Wohlstand oder zumindest ein Auskommen in der Gesellschaft heimisch werden lässt. Manchmal ist es ganz praktisch, sich nicht mehr getragener Kleidung zu entledigen, wenn man sie einfach zur Kleiderspende gibt. Ob das alte Dirndl nun jemand im eigenen Lande aufträgt, oder ob die Stoffe nach Afrika geschickt werden, spielt nach der „Entsorgung“ auf diesem besonderen Wege keine Rolle mehr. Wichtig ist für den wohlhabenden Bürger, der so handelt, nicht die Tatsache der Spende, sondern eher die geschickte Lösung, etwas losgeworden zu sein – und das neue Kleid, das stattdessen im Schrank nun seinen Platz findet.
Deswegen reicht es nicht, die Dritte Welt mit Medikamenten und Nahrung zu versorgen – so fördert man einen ewigen Kreislauf der Armut und fehlenden Selbstversorgung. Diesen Menschen in den armen Ländern muss durch eine momentane Grundversorgung sicherlich geholfen werden, doch wichtiger sind die Schulbildung, das Schaffen von Wissen und Berufen, die ein Leben überhaupt ermöglichen. Eine falsche Einstellung ist es, sich selbst dicke Steaks vom Gasgrill zu holen, die armen Menschen zu bedauern, aber nichts zu tun, um zu unterstützen. Spenden, ein Zeichen der Solidarität, sind wichtig, müssen aber an der richtigen Stelle landen.
Ein Leben im nicht-demokratischen Regime
Auch in den nicht-demokratischen Staaten ist das Leben alles andere als einfach. Heute kann es sich kaum jemand mehr vorstellen, wie es ist, seine eigene Freiheit einzubüßen und nur auf die Macht der Obrigkeit zu hören, von Tyrannen, wie Fidel Castro oder Gaddafi regiert zu werden. Dabei reicht ein kleiner Blick zurück und die Lebensweise in einem absolut undemokratischen Staat wird erkannt. Noch vor 20 Jahren war sogar das heute so soziale und demokratische Deutschland noch nahe an diesem Regime dran. Damals, als das Land in zwei Teile geteilt war, war für die ehemaligen DDR-Bürger eine Reiseversicherung schlicht und ergreifend nicht notwendig, da die Freiheit, zu reisen nicht bestand. Diese Zeiten sind mittlerweile zwar Vergangenheit, aber längst nicht vergessen. Und leider gibt es auch heute noch viele Länder, in denen eine ähnliche Schreckensherrschaft an der Tagesordnung ist. Bürger werden gezwungen, ihr Leben nach ganz bestimmten Vorstellungen der Regierung zu leben, unter menschenunwürdigen Bedingungen ihr Dasein zu fristen, zusammengepfercht in winzigen Behausungen, arbeitend zu einem Lohn, der weder das Überleben, noch das gute Auskommen mit dem Einkommen ermöglicht.
Doch nicht nur diese menschenunwürdigen Bedingungen, sondern auch der gläserne Bürger, der im modernen Deutschland ebenso zu finden ist, wie in der ehemaligen DDR, machen den Menschen zu schaffen. War es früher die Stasi, die die Menschen in der ehemaligen DDR ausspioniert hat, so ist es heute die moderne Detektei, die es nicht nur der Regierung möglich macht, die Privatsphäre des Einzelnen zu verletzen. Da werden Telefone abgehört, Konten überprüft und selbst der heimische PC ist nicht mehr sicher vor den Datenspionen. Was hier in Deutschland noch eher eine milde Form des Spionierens ist, kann anderswo jedoch ganz anders aussehen. Vermeintliche Staatsfeinde werden auf Schritt und Tritt überprüft, die Rasterprüfung gegenüber Terroristen, die auch viele völlig unschuldige Menschen bedrohte und weitere Mittel, vermeintlich im guten Kampf gegen den Terrorismus und für die Menschenrechte, sind da nur einige Beispiele.
Bleibt man beim Beispiel der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, die mit Demokratie nun wahrlich nicht viel zu tun hatte, zeigt sich auch ein weiteres Problem, das die Menschenrechte angriff. Den Besitz, den man sich selbst unter harter Arbeit aufgebaut hatte, nahm die Regierung an sich. So wurden florierende Unternehmen zum VEB, dem volkseigenen Betrieb, die Landwirtschaft wurde zur LPG zwangsweise zusammengeschlossen und auch die Besitzer von Häusern waren vor dem Regime nicht sicher. Statt ihre Immobilien kostenlos inserieren zu können, wie es heute gang und gäbe ist, wurden sie gezwungen, ihr Heim an den Staat abzutreten. Sie verloren alles, was sie sich über viele Jahre hinweg aufgebaut hatten und erhielten erst Jahrzehnte später, wenn überhaupt, Ausgleichszahlungen für die Zwangsenteignung. Noch heute bestimmen diese menschenunwürdigen Vorgehensweisen das Leben vieler Bürger.
Solidarisch gegen Probleme ankämpfen
Als kleiner Bürger kann man doch gegen die Probleme in anderen Ländern gar nichts tun. Dieser Auffassung sind viele. Das tägliche Bild in den Nachrichten ist schon beinahe zu viel der Mahnung. Die Folge ist, jeder weiß über die globalen Probleme Bescheid, doch keiner fühlt sich in der direkten Pflicht, auch wirklich etwas gegen Kinderarbeit, Armut, den Klimawandel und noch schlimmere Verletzungen der Menschenrechte zu unternehmen. Es gäbe jedoch einige wichtige Dinge, die der einzelne ändern muss, um eine allgemeine Verbesserung in diesen Angelegenheiten zu erzielen. Klar, gibt es Nationen, die in Sachen Umweltverschmutzung, zum Beispiel durch Industrieabgase, völlig anders handeln, als die westlichen und zivilisierten Staaten. Muss aber die Dunstabzugshaube deswegen auch laufen, wenn nicht gekocht wird? Muss Strom vergeudet werden, dessen Erzeugung die Natur und das Klima so unsäglich schädigt – nur weil die Ressourcen scheinbar endlos reichen? Wen kümmert schon die Diskussion um den Atomstrom – die Energiegewinnung aus erneuerbaren Ressourcen kostet doch wieder nur den kleinen Mann eine Menge Geld. Warum also sparen, wenn man ohnehin dauernd und immer mehr zur Kasse gebeten wird?
Es sind jedoch gerade kleine, alltägliche Dinge, die an der Basis, in der Einstellung der Menschen verändert werden müssen, um für die gesamte Welt solidarisch eine Verbesserung zu erzielen. Daraus, dass die heutige Generation die Schuld auf die „anderen“ oder die Politiker schiebt, können die Menschen in der Zukunft keinen Nutzen ziehen. Wie soll ein Mensch in Deutschland verhindern, dass in Fernost Kinder für Hungerlöhne arbeiten? Die Antwort hierauf ist sehr einfach und naheliegend: Wo keine Nachfrage mehr zu finden ist, da wird auch die Produktion zurückgehen. Wo aber Millionen Kunden billige Waren zu Hauf kaufen, wird der günstige Preis mit Gewalt niedrig gehalten. Wer heute einen japanischen Gebrauchtwagen kauft, macht sich keine Gedanken darüber, wie einst der Neuwagen produziert wurde: Er kauft ein günstiges, technisch hoch entwickeltes Fahrzeug, egal, wie dieser Kauf die deutsche Wirtschaft einst beeinflusst hat oder welche Arbeitsbedingungen vor Ort herrschen. Mittlerweile produzieren aber auch die fernöstlichen Autobauer mehr global, etwa im östlichen Europa.
Würden die fernöstlichen Unternehmen mehr Lohn bezahlen, könnten diese Dumpingpreise auch nicht eingehalten werden – damit beißt sich das Problem mit der scheinbaren Lösung. Höhere Löhne, steigende Preise: Da geht die Nachfrage zurück, mehr Menschen sind in den betroffenen Ländern wieder ohne Arbeit. Das Problem liegt nicht selten in der Hauptsache in der politischen Führung des Landes. Diese sehen aber keinen Bedarf, etwas zu ändern, solange die Produkte in riesigen Containerschiffen Tag für Tag ihr Land verlassen. Die Kunden, die sich zum Beispiel bewusst für Ara Schuhe entscheiden, die konsequent aus nachhaltigen Ressourcen, unter umweltschonenden Aspekten produziert werden, sind leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Verständlich ist es ja durchaus, warum der Otto Normalverbraucher lieber zu den günstigeren Angeboten greift, wenn er etwas anschafft – sei es Technik, Computerzubehör oder auch Möbel, wie etwa Wasserbetten. Niemand, der normal verdient, kann es sich leisten, teurer einzukaufen, um Nachhaltigkeit zu unterstützen, um erneuerbare Energien auszunutzen oder die Menschenrechte zu wahren. Hier müsste an der globalen Solidarität, an der konkreten Arbeit gegen die Verletzung der Menschenrechte und somit auf weltpolitischer Ebene noch viel geleistet werden.
